Souverän agieren bei sexistischen oder rechten Sprüchen

Ein Beitrag zur Aktion "Kursgruß" von Dagmar Wirtz, Politikwissenschaftlerin

Bild:Souverän agieren bei sexistischen oder rechten Sprüchen Ich stand in einem Seminarraum und bereitete eine Vorlesung vor. Ein Herr kam herein, suchte sich einen Platz und packte seine Sachen aus. Setzte sich, blickte hoch, sah mich – und stutzte verwirrt. Guckte auf mich, auf die Präsentation mit dem Seminarthema und sagte: „Oh, ich glaube, ich bin hier falsch!“. Sein Blick wanderte von meinem Gesicht über meinen Körper zu den Schuhen und wieder nach oben. „Obwohl, wenn ich es mir recht überlege, könnte das Seminar bei Ihnen doch ganz interessant werden…“.

Was meinen Sie, war das schon sexistisch? Viele Männer in meinem Bekanntenkreis, denen ich diese Situation erzählte, hielten das für ein Kompliment. Viele Frauen erzählten dann eigene Geschichten, bei denen ihnen Sprüche serviert wurden, über die sie sich geärgert hatten. Oft ging es dabei um Situationen im Beruf, in denen nicht ihre Kompetenz, sondern körperliche Attribute im Vordergrund standen. Unsere fachliche Eignung und Position wurde verniedlicht und abgewertet. Zum Beispiel in einer Teambesprechung, als die Leiterin einen Mitarbeiter nach dem aktuellen Stand eines Projektes fragte und er antwortete: „Aber Carola, darüber musst doch du dir dein hübsches Köpfchen nicht zerbrechen“. Wie hätten Sie reagiert, wenn Sie an Carolas oder meiner Stelle gewesen wären? Meistens, wenn uns rechte oder sexistische Sprüche begegnen, fällt uns erst Stunden später ein, wie wir hätten reagieren wollen. Dabei gibt es Tipps, wie man souverän in diesen Situationen agiert. Souverän heißt für mich: Sprach- und handlungsfähig sein. Grenzen setzen. Deeskalierend auftreten.

Bild:Ein Beispiel für rechte Sprüche, gerade in der derzeitigen Situation: Wussten Sie, dass Corona von Flüchtlingen nach Deutschland eingeschleppt wurde? „Hätte man nur 2015 schon die Grenzen dicht gemacht, bräuchten wir jetzt nicht zu Hause hocken! Corona ist schließlich auch nicht schlimmer als die Bedrohung unserer Frauen durch die Ausländer.“ Sagen manche. Wie reagieren Sie darauf?
Oder erinnern Sie sich an die Vergewaltigung letzten Herbst in Oberschwaben? Haben Sie einige der Kommentare gelesen, die online unter der Berichterstattung geäußert wurden? „Komisch, vor 2015 hat man von Gruppenvergewaltigungen nichts gelesen, woran mag das wohl liegen? Da hilft wohl nur eine Demo gegen Rechts. PS: Und junge Mädels denkt dran: "Vorurteile schützen."
Oder „85 % der Wähler sollten ihre Wahl mal überdenken, ihr habt den Verbrechern alle Tore geöffnet!“
Oder mein „Lieblingsspruch“ im persönlichen Gespräch: „Gerade du als Feministin müsstest doch dagegen sein, wenn jetzt die ganzen Macho-Ausländer und Kopftuchträgerinnen nach Deutschland kommen!“

Laut der aktuellen Mitte-Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung stimmt jede zweite Person in Deutschland negativen Meinungen über Asylsuchende zu. Ein Drittel stellt gleiche Rechte für alle in Frage. Und 17 Prozent stimmen der nationalchauvinistischen Aussage zu: „Das oberste Ziel der deutschen Politik sollte es sein, Deutschland die Macht und Geltung zu verschaffen, die ihm zusteht“.
Um diese Entwicklung zu stoppen und Werte wie Demokratie, Toleranz, Vielfalt, Freiheit, Menschlichkeit, Gleichberechtigung zu stärken, brauchen wir „Gutmenschen“ Handwerkszeug. Einiges davon lernen Sie am 19.10. in Ravensburg beim FrauenSalon. Bis dahin: Bleiben Sie gesund und agieren Sie souverän bei Hetze! Oder auch mit Humor wie die Polizei Sachsen auf Twitter.
Dagmar Wirtz ist Politikwissenschaftlerin, Soziologin und Systemische Moderatorin
(Fotos: Dagmar Wirtz)

Hinweis: Eine Veranstaltung zu diesem Thema ist mit der Referentin am Montag, 19.10.2020 um 19 Uhr bei der Katholischen Erwachsenenbildung Kreis Ravensburg geplant. Eine Anmeldung und weitere Informationen über die Rubrik "Kursprogramm" auf unserer Webseite.

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