Ruf mal deinen besten Freund an

Ein Beitrag zur Aktion "Kursgruß" von Christian Kindler, Referent Fachbereich Männer, Diözese Rottenburg-Stuttgart

Bild:Ruf mal deinen besten Freund an  Ruf mal deinen besten Freund an. Wahrscheinlich ist er auch gerade daheim und macht sich Gedanken!
Mitte März war klar, dass auch die Europameisterschaft wegen der Corona-Pandemie verschoben werden muss. Das gab Bundestrainer Jogi Löw bekannt. Er sprach in einem engagierten Statement von einem „kollektiven Burnout“, der uns allen die Grenzen unserer Möglichkeiten aufzeige.
Christian Kindler fragt, wo gerade für Männer in der Krise Herausforderung liege. Sein Vorschlag: Ruf deinen besten Freund an!

Als Bundestrainer Löw im März mitteilten musste, dass wegen Corona auch die Fussball-EM abgesagt sei, sprach er mit Blick auf das Ganze davon, dass die Welt gerade „ein kollektives Burnout“ erlebe: „Die Erde scheint sich ein bisschen zu wehren gegen den Menschen, der immer denkt, dass er alles kann und alles weiß“, wird Löw zitiert. Sein Satz hat mich berührt, weil ich mir aus eigener Erfahrung und aus Gesprächen mit vielen Männern unter „Burnout“ etwas vorstellen kann.
„Burnout“, „ausgebrannt“, das beschreibt das Gefühl, nichts mehr machen zu können. Nichts geht mehr, Angst und das Gefühl der Sinnlosigkeit breiten sich aus. Wer in ein „Burnout“ gerät, findet sich wie in einem Strudel: Je mehr ich mich abmühe, desto aussichtsloser scheint meine Lage und desto größer das Gefühl: Ich schaff es nicht mehr. Die Psychologie spricht von einer „depressiven Episode“. Sie geht meist nach einer „Auszeit“ vorüber, aber das kann sich ein Betroffener, dem gerade alles zu viel geworden ist, überhaupt nicht vorstellen.
Löw macht dieses „zu viel“ nachdenklich: „Machtgier, Profit und Rekorde“ hätten bisher immer im Vordergrund gestanden, sagt er: „Das Tempo, das wir vorgegeben haben, war nicht mehr zu toppen“. Waren die Krisen der Welt bisher meist weit weg von uns – Ebola in Afrika, Waldbrände in Australien – haben wir mit Corona etwas, das uns unmittelbar betrifft und „nichts ist mehr, wie es vorher war“. Alle stecken in dieser globalen depressiven Episode, keiner weiß was noch kommt. Das kennzeichnet eine wirklich existentielle Krise.

Aber gerade in der Krise kann sich zeigen, was wirklich zählt. Für Löw sind das: „Freunde, Familie und der Respekt füreinander.“ Seine Konsequenz: Natürlich die Regeln und Vorsichtmaßnahmen einhalten und soziale Kontakte vermeiden, um die Infektionsrate niedrig zu halten. Gleichzeitig aber rufen Löw dazu auf, „zu helfen, wo auch immer es geht“, gerade wo „social distance“ das Gebot der Stunde ist.
Engagement für und mit anderen hilft auch mit emotional herausfordernden Situation besser klarzukommen. Es kann davor bewahren, in innere Isolation und Depression zu fallen! Meistens tut schon ein Gespräch gut – gerade auch für uns Männer! Warum also nicht jetzt zum Telefon greifen, den Freund oder Bruder anrufen und von Mann zu Mann über das sprechen, was uns wirklich bewegt: wie geht es dir jetzt? Was sind gerade deine Gefühle? Wie gehst Du mit der Situation um – daheim, im Beruf, in deiner Beziehung, mit deinen Kindern, …?
Der Bundestrainer will seinem Team jetzt die Zeit geben, Enttäuschungen und Verletzungen gründlich auszukurieren. Auch wir können uns Zeit nehmen, wahrzunehmen, was wirklich zählt: unsere Partner*in und Kinder, Bildung, Demokratie, Gerechtigkeit, Frieden und die Schöpfung, und die Menschen, denen wir uns anvertrauen können - gerade wenn es eng wird. Vielleicht können wir so innerlich gestärkt aus dieser „depressiven Episode“ hervorgehen.

Foto: Bild von Stocksnap auf Pixabay

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