Tier und Mensch - Unser Verhältnis zur Umwelt

Ein Beitrag zur Aktion "Kursgruß" von Dr.theol. Ansgar Krimmer, Dekanatsreferent Dekanat Allgäu-Oberschwaben

Bild:Tier und Mensch - Unser Verhältnis zur Umwelt Der Ursprung des Coronavirus wird beim seltenen Schuppentier vermutet. Schuppentiere sind strenggeschützte Säugetiere, die in China aufgrund ihrer als heilkräftig geltenden Schuppen und ihres als Delikatesse gerühmten Fleisches illegal gejagt und gehandelt werden. Auf diese Weise könnten Menschen in engen Kontakt mit dem Tier gekommen sein und sich dabei infiziert haben. Von etlichen Wildtierbiologen wird diese Vermutung freilich verworfen aufgrund der genetischen Unterschiede der Corona-Viren des Schuppentieres und der des Menschen. Vielmehr wird eine Fledermausart als Überträger angesehen.

Eines ändert sich dabei jedoch nicht: „Schuld“ an der Übertagung des Virus hat nicht das Tier, sondern die nicht eingehaltene Distanz des Menschen gegenüber den Tieren.
Die Corona-Pandemie stellt die seit Jahrzehnten virulente Frage nach dem Verhältnis des Menschen zu seiner Umwelt in radikaler Weise neu. Wobei schon der Begriff „Umwelt“ das ganze Dilemma umreißt. Der Theologe Alfons Auer hat bereits in seiner 1985 erschienen Umweltethik darauf hingewiesen, dass dieser Begriff das Verhältnis des Menschen zur Welt aus einer Perspektive der Überlegenheit und Macht bestimmt. Auer plädierte deshalb für den Begriff Mitwelt. Die Dresdner Theologieprofessorin Julia Enxing hat im März in der Herder Korrespondenz das Problem des Abbruchs des Menschen von seiner nichtmenschlichen Umwelt schöpfungstheologisch in den Blick genommen. Sie stellt fest, dass in der schöpfungstheologischen Literatur das Nicht-Menschliche nur eine geringe Rolle spielt. Da jedoch der Mensch mehr als alle anderen Lebewesen auf nichtmenschliche Lebewesen und Pflanzen angewiesen ist, plädiert sie dafür, dieses lebenserhaltende Ko-Habitat des Menschen theologisch stärker zu reflektieren und in den Schöpfungsgedanken zu implementieren.

Biblisch lässt sich dies durchaus begründen. Im ersten Schöpfungstext (Gen 1) wird der geschaffene Lebensraum mit Lebewesen gefüllt. Die Erschaffung von Tier und Mensch wird am selben Schöpfungstag erzählt. Damit ist die ganze Schöpfung auf Gott bezogen und untereinander in Beziehung gesetzt. In Gen 1, 28 ist zum Menschen gesagt: „Seid fruchtbar und mehrt euch, füllt die Erde und unterwerft sie euch und herrscht über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels und über alle Tiere, die auf der Erde kriechen.“ Mit den Verben „unterwerfen“ und „herrschen“ ist oftmals die Vormachtstellung des Menschen biblisch begründet worden, was zur Ausbeutung der Mitwelt des Menschen in nicht zu unterschätzender Weise beigetragen hat. Jedoch ist dabei das Verb „herrschen“ aus seinem hebräischen Ursprungszusammenhang gerissen worden. Mit „herrschen“ war im Hebräischen das Umherziehen des Hirten mit seiner Herde gemeint. Der Hirte herrscht nicht als Beherrscher, sondern als ein Teil der Herde, indem er diese vor Gefahren beschützt und für sie sorgt. Die Bibel gibt dem Menschen somit die Aufgabe, als Teil der Schöpfung diese zu schützen und den Lebewesen insgesamt das Leben zu ermöglichen. Wo er jedoch herrschen als ausbeuten und Abbruch seiner Beziehung zur Mitwelt versteht, wird er das Leben ins Chaos stürzen.

Lesetipp:
"Auf den Hund gekommen"
Julia Enxing, Und Gott schuf den Erdling, in: Herder Korrespondenz 74 (2020), Heft 3, 24-26.
(Bild von Parker_West auf Pixabay / kostenfrei)

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